Beschreibung der Sparte

Die Kraft des Brauchtums ist heutzutage, vor allem in der Großstadt, verloren gegangen. Eindeutig ist aber ein Trend zum Ländlichen und Einfacheren zu erkennen und sowohl bei der „grünen Jagd“ als auch bei der „roten Jagd“ haben sich Überlieferung und Brauchtum erhalten.

Die Partnerschaft zwischen Mensch und Hund, etwa 8000 v. Chr., sowie die Domestizierung von Wildpferden, so um 3000 v. Chr., versetzten den Menschen der damaligen Zeit in die Lage, zu jagen und auch größere, schnellere Tiere wie Wisent, Ur, Elch und Hirsch als Nahrungsgrundlage zu erlegen.

Die Entwicklung der Parforcejagd in Frankreich, England (ab 1200) und zwei Jahrhunderte später in Deutschland führten zu einer Blüte der Reitjagd, wobei der Curee*, mit ihrem ergreifenden Zeremoniell die Achtung vor der Kreatur und die Ehrung des Schöpfers im Geschöpf in einer Form demonstriert, die Ökologie und Naturschutz wohl niemals erreichen werden (Zitat Thun).
Die Heimat und der Ursprung des Jagdreitens ist Europa. Später wurde Jagdreiten von den Kavallerien übernommen, wobei die Jagd auf „Kastenwild“ erfolgte und nach dem gesetzlichen „Verbot der Hetzjagd“ durch die Schleppjagd abgelöst wurde (Anfang 19. Jhdt.).
Die Möglichkeit für Reiter und Amazonen ihren jagdlichen Trieb in der allerschönsten Form auszuleben, ist die Schleppjagd zu Pferd hinter einer Meute, also die „Jagd in Rot“ (Name kommt von der roten Reitjacke, die die Teilnahmer tragen – Ausnahme Frühjahrsjagden die in Tweed geritten werden) Hunde, Pferde und Reiter finden sich zum gemeinsamen Jagen auf künstlicher Fährte, ohne „Hetze auf lebendes Wild“, nach festgelegten Regeln und überlieferten Brauchtum. Der Dreiklang Mensch-Tier-Natur kommt hier so richtig zum Tragen.

Halali Das Ende einer „Jagd in Rot“ ist das Halali, d.h. das Jagdende mit Stellen und Erlegen des Wildes. Die Parforchörner intonieren „Jagd vorbei“ und danach das „Halali“. Die Reiter sitzen ab zur Zeremonie des „Curée“. Einst lüfteten bei diesem feierlichen Moment alle Anwesenden die Hirschfänger – heute wird der rechte Handschuh ausgezogen. Beim Freigeben der Curée durch den Master of hounds mit dem Hunderuf, rufen die im Halbkreis versammelten Reiter mit erhobener Kappe „Halali – Halali“ als Dank für die Arbeit der Hunde. Wenn die Hunde „Genossen gemacht“ sind (kommt von Genießen), bittet der Jagdherr zu den Brüchen. Vor St. Hubertus (3. November) wird ein Eichenbruch, danach ein Tannenbruch mit „Weidmannsheil“ überreicht.

Dankesworte an den Jagdherrn enden oft mit einem „dreifach kräftigen Horridoh“. Es kommt von dem alten Ruf Ho-Rüd-Ho, Bestandteil des alten „Waidgeschrey“, das – von Hörnern begleitet – im Mittelalter zu Beginn und zu Ende der Jagd angestimmt wurde. Brauchtum hat den Stil des Jagdreitens geprägt. Und dieses Brauchtum hat auch einen beträchtlichen pädagogischen Wert. Jagdreiten ist erzieherisch. Auch für Erwachsene: Hektisches Geschrei und lautes Reden wird einem schnell abgewöhnt, bis man fähig ist, aus der Erfahrung mit der Bewältigung schwieriger Situationen auch in heiklen Momenten ruhig, beherrscht, gelassen und entschlossen zu reagieren. Man kann sich also gute Eigenschaften erreiten. Hat man gelernt, mit den schwierigen Momenten einer Jagd hinter Hunden fertig zu werden, so werden die Jagdreiter auch anderen Problemen des Lebens gegenüber „elastischer“. Jagdreiter sind tolerant und großzügig, Pedanten werden von der Gruppe umerzogen oder ausgesondert.

So gesehen ist das jagdreiterliche Brauchtum nicht nur zünftig sondern auch zeitgemäß, weil es Tradition in unsere Zeit transferiert und einen Bezug zur Gegenwart herstellt.


*Curée: (frz. La Curée, bereits um 1200 im Tristanlied erwähnt, im deutschen Sprachgebrauch: „pfneischen“ oder „genossen machen“). Aus der Beschreibung von Ridinger (1698-1767): „Erst bekommt der Leithund Haupt und Herz des Hirsches, dann werden Feist, Lunge, Leber und Milz in die Decke des erlegten Hirsches eingeschlagen und der übrigen Meute vorgelegt. Durch ein eigenes Jagdhornsignal (= Fanfare) wird die Meute in Anwesenheit der Jagdteilnehmer zur Curée abgerufen.“ Bei der Schleppjagd bekommen die Hunde (statt der Innereien des erlegten Wildes) Rinderpansen vorgelegt.

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