Mounted Games Wintercup in Tullnerbach

Der Ausblick von der Sprecherstelle in der Schulreithalle der LFS Norbertinum Tullnerbach, von der der Autor am 17.2. den Wintercup 2018 beobachten konnte, vermittelt das Gefühl in einem Bunker zu sitzen: Ein langgezogenes schmales Glasfenster erlaubt einen fast tunnelartigen Blick in die lange Halle. Beinahe war man froh über die massive Betonwand zwischen sich und dem Wettkampfplatz. Wenn man den Blick auf den Startbereich am gegenüberliegenden Hallenende richtete, bot sich beispielsweise folgendes Bild:


Tempo und Präzision waren ausschlaggebend beim Wintercup. © Gottfried Horner

6 Ponys mit ihren in bunte Farben gekleideten ReiterInnen tummelten sich dort. Auf den Pfiff des Linienrichters tänzelten drei davon an die Startlinie, unruhig, aufgeregt, mit aufmerksam gespitzten Ohren und wildem Blick. Die Reiter, trotz ihrer oft noch jungen Jahre, fixierten mit harten, staubigen Gesichtern und zusammengekniffenen Augen die Startflagge. Als sich diese senkte, stürmten die 3 Ponys wie von der Tarantel gestochen auf einen zu, die ReiterInnen nahe am Pferdehals mit Blick zur Wechsellinie, die den Bereich markierte in dem die Paare wendeten und sich meist auf den Rückweg zur Übergabe machten. Die Ponys legten sich in die Kurve, Sand knallte gegen das Fenster der Sprecherkanzel. Eine Reiterin trennte sich beim Abspringen von ihrem Pony und landete der Konkurrentin vor den Hufen. Deren Pony reagierte blitzschnell und sprang -zum Leidwesen der Reiterin, die daraufhin ebenfalls mit dem Gleichgewicht kämpfte– zur Seite. Reaktion können sie, die MG Ponys! Die verbliebenen Paare stürmten bereits wieder die Halle hinunter zum Übergabebereich. Beiden gelang die Übergabe in vollem Tempo und die Pferde stoppten nur wenige Zentimeter vor der Bande am Bahnende, während die jeweils 2. Reiter schon wieder die Hälfte der Bahn absolviert hatten und gefährlich schnell auf die Sprecherkanzel zu rasten. Beinahe zeitgleich kamen die beiden zum Wendepunkt, wo sie absprangen um am Rückweg in vollem Galopp wieder aufs Pferd zu springen. Eine der beiden Reiterinnen bekam zu viel Schwung ab. Eine bösartige Mischung aus Schnell- und Zentrifugalkraft schleuderte sie über  ihr Pony hinaus genau in die Beine ihrer sich im Absprung befindlichen Konkurrentin, die natürlich ebenfalls zu Boden ging – alles im direkten Umfeld der donnernden Pferdehufe. Dieses Spiel wurde wiederholt, nachdem man festgestellt hatte, dass Pferde und Reiter heilgeblieben waren.

Rang 4 für NÖ in der offenen Klasse. © Gottfried Horner

Mounted Games ist eine schnelle und nicht ungefährliche Sportart. Blaue Flecken, Kratzer und Stürze gehören hier zur Tagesordnung. Extreme Szenen wie diese sind glücklicherweise die Ausnahme. Eben beschriebenes ereignete sich im Finale der Offenen Klasse, wo die ReiterInnen – großteils aus dem Nationalkader – ritten, als ginge es um die Goldmedaille bei einer WM. Es war auch verdammt eng, im Match um den Sieg in dieser Königsklasse. Allerdings nicht für NÖ. Das beste blau-gelbe Paar landete hier auf dem 4. Platz und verpasste somit knapp den Einzug  ins Finale. Es siegte mit nur einem Punkt Vorsprung das Team Kermer (B)/ Zehetner (W) vor einer Paarung aus OÖ.

Am Anfang verpatzt, dann unschlagbar. Die NÖ U12 Mädels siegten in Tullnerbach. © Gottfried Horner

Anders sah die Sache bei den Mounted Games „Zwergen“ Klasse U12 aus, die ebenfalls für spannende Matches sorgten: Die NÖ Paarung Pia Baurecht und Sophie Benedict (beide PSZ Breitenfurt) starteten in der 1. Runde sehr schwach und mussten sogar Null-Runden hinnehmen. Das heißt, dass so schwere Fehler passierten, das sie nichtmal den obligatorischen Punkt für das langsamste Paar vom Richter zugesprochen bekamen. Umso spannender war es, als die beiden in Runde 2 ihre Form fanden und im Finale dann über sich hinaus wuchsen und mit einigen präzise gerittenen Rennen und 11 Punkten Vorsprung vor der Konkurrenz aus OÖ den Gesamtsieg holten. Miriam Ecker und Kiana Kaffenda (URFV Allhartsberg/NÖ) wurden Dritte.

In der U14 wurde Jasmin Horner (PSZ Breitenfurt/NÖ), die mit einer Reiterin aus OÖ im Team ritt, Dritte. In der Klasse U17 kämpften die beiden Breitenfurter ReiterInnen Sonja Reisenbichler und Joana Bauer zwar tapfer, waren aber in vielen Spielen um eine ärgerliche Pferdelänge hinten und wurden mit 12 Punkten Rückstand 2., hinter einer Paarung aus OÖ. Trümmel/Schlager (URFV Allhartsberg/NÖ) schafften es auf Rang 3.

NÖ Jungpferde auf Siegeskurs: (v.l.n.r.) Dakota und Cariño sammelten erste Erfahrungen. © Gottfried Horner

Die Novicenklasse ist für Einsteiger, die für die Jugendklassen schon zu alt sind und für Profis, die junge Pferde ans Turnier gewöhnen möchten, gedacht. Hier siegten trotz ruhiger und pferdeschonender Runden Chiara Földi (NÖ) und Sarah Kermer (B) mit den beiden Nachwuchscracks Cariño und Dakota, zwei Pferde des Teams St. Hubertus (PSZ Breitenfurt/NÖ). Stefanie Pascher und Sarah Oreski (Ponyhof Nimmerland/NÖ) wurden Zweite vor einer Paarung OÖ/W.