Mensch, Pferd, Greifvogel und Hund werden zu einem Team

Ein Kursbericht von Edith Leitner – Am 09. November trafen sich etliche interessierte Teilnehmer in Wetzdorf zum ersten von drei Kursteilen, um die Arbeit mit Pferd und Greifvogel kennenzulernen.  Zuerst ging es auf die Ovalbahn, um unsere Einhandzügelführung mit rechter Hand vorzuzeigen. Mag. Christoph Mechtler teilte uns dabei in zwei Gruppen auf die linke Hand bekamen wir ein blaues Seidentuch mit einer Greifvogeldarstellung angeklettet.

Zuerst ging es einzeln in Schritt, Trab und Galopp über Cavaletti – immer mit rechter Einhandzügelführung und linkem ausgestreckten Arm. Ruhig und mit angenehmer Stimme bekamen wir Anweisungen und Anregungen über und für unsere Einhandzügelführung.  Mit der Cavaletti-Arbeit erfolgte eine “Muskelschulung” im Sinne der Kräftigung einerseits und der Lockerung andererseits. Außerdem erhöhte diese Stangenarbeit die “Trittsicherheit”, das Pferd lernt seinen “Schwerpunkt rasch und sicher zu verschieben” und übt durch das erhöhte Abfußen sein “Ausbalancieren” damit dann in Folge mit dem Falken auf der Hand das Pferd ruhig dahinschreitet. Dabei wird eine vermehrte Anforderung an die Aufmerksamkeit von Pferd und Reiter gestellt und das Pferd trainiert das visuelle Abmessen von Abständen, das höhere Abfussen beim Galopp trainiert den Schwung und den erhabenen Ausdruck. Nicht zu unterschätzen ist auch der Faktor ‘Abwechslung’ für Pferd und Reiter, die Arbeit wird interessanter und erhöht folglich die Motivation.

Gleichzeitig zwei Pferde an den Falken zu gewöhnen ist nicht ganz einfach. © privat

Gleichzeitig zwei Pferde an den Falken zu gewöhnen ist nicht ganz einfach. © privat

Dann kamen die Bahnfiguren – natürlich auch einhändig geritten – bevor wir in drei Gruppen gegeneinander antraten.  Das Wetter war zwar leider nicht nach unserem Geschmack, denn es regnete immer wieder leicht und die Temperatur, aber trotzdem erwachte sowohl bei den als auch den Reitern der Ehrgeiz. Während der Mittagspause im warmen Reiterstüberl erfuhren wir auch einiges über die Beizjagd, wie die Jagd mit abgetragenen Greifvögeln im Fachjargon genannt wird.

Ratschläge und Tipps von Falknermeister Mario Aigner. © privat

Ratschläge und Tipps von Falknermeister Mario Aigner. © privat

Die ersten Aufzeichnungen besagen, dass die Falknerei ungefähr 4500 Jahre alt ist. Von Zentralasien wurde sie später nach Europa gebracht. Allerdings gab es auch Funde im alten Ägypten, welche noch älter zu sein scheinen. Die Jagd mit dem Greifvogel diente damals der Versorgung der Familie mit Fleisch, da es noch keine Schusswaffen gab. Die europäische Falknerei erreichte in der prunkvollen Barockzeit ihren Höhepunkt. Ende des 18. Jahrhunderts folgte ein absturzartiger Niedergang, interessanterweise haben in Frankreich einige Falkner die Beizjagd hoch zu Ross auch trotz des gesetzlichen Verbots weiter ausgeübt. Einer der Pioniere bei der Beizjagd war Friedrich Graf Mensdorff-Pouilly (1896 – 1997) dadurch wurde die europäische Falknerei wieder zu neuem Leben erweckt.

Für manche Pferde ist die Gewöhnung an den Falken anscheinend eine Kleinigkeit. © privat

Für manche Pferde ist die Gewöhnung an den Falken anscheinend eine Kleinigkeit. © privat

Ein Pferd an den Greif zu gewöhnen, bedarf viel Geduld und Ausdauer. In früheren Zeiten oder aber in Ställen wo Tauben und Hühner vorhanden waren bzw. sind, kannten bzw. kennen Pferde das „Geflatter“, andernfalls ist es unabdingbar, hier mit viel Geduld Gewöhnungsarbeit zu leisten.

Fazit:
Viel zu schnell ging dieser Teil des Kurses zu Ende, es war lehrreich – spannend – aufregend – interessant – lustig – geschichtsträchtig und ein Kulturerbe.
Wir freuen uns schon auf Teil 2. Da stehen dann Infos über Beizjagd, die Falknersprache, Falke und Pferd, Haltung und Abtragen auf dem Programm!

Quelle: Edith Leitner